Rachenlehren
Die Rachenlehre – das messbar gute Qualitätswerkzeug
Genaue Messungen erfordern das richtige Messwerkzeug. Mit einer Lehre misst man nicht, man prüft. So auch mit der Rachen- oder Grenzlehre. Mit dieser Lehre lassen sich der Durchmesser eines runden Werkstücks sowie paralleler Flächen schmaler Körper prüfen. Sie hat die Form von einer offenen Acht, die auf einer Seite die Abmessung des Nennmaßes, das ist die Gutseite. Die andere Seite ist die Ausschussseite. Diese Seite zeigt die Abmessung der höchst möglichen und zulässigen Toleranz. Einmäulige Lehren vereinen beide Werte auf einer Seite.
Was ist eine Rachenlehre?
Es gibt Maßlehren, Formlehren und Grenzlehren. Sie gehört zu den Grenzlehren, die weiter unterteilt sind in Grenzlehrdorn und Grenzrachenlehre. Grenzrachenlehren dienen zum Prüfen von Außenmaßen, zum Beispiel bei einer Welle. Sie werden in der Produktion und Serienproduktion genutzt. Sie zeigen an, wenn ein Istmaß innerhalb einer Toleranz des Sollmaßes liegt. Die Grenzrachenlehre besitzt zwei Prüfungsstellen: das Höchstmaß (Ausschussseite) und die Gutseite. Die Ausschussseite hat abgeschrägte Prüfbacken. Die Gutseite geht leicht in eine Messung und gleitet mit ihrem Eigengewicht über das Prüfwerkstück. Die Ausschussseite darf nur „anschnäbeln“, das heißt, nicht das Werkstück durchlassen. Die Lehren sind entweder fest oder einstellbar. Einstellbare Rachenlehren besitzen eine Messschraube mit einer Kupplung. Die Kupplung der Messschraube soll die Messkraft begrenzen auf fünf bis zehn Newton. Die Ausschussseite hat zudem bei zylindrischen Formen einen kurzen Zylinder und auf der Seite steht das obere Grenzmaß.
Die einstellbare Rachenlehre
Einstellbare Rachenlehren gibt es in analogen und digitalen Ausführungen sowie mit und ohne Messuhren respektive Anzeigen. Die Lehren werden ausgewählt nach ihrem Einstellungsbereich. Sie werden mit Bereichen von 0 – 300 mm angeboten, jede Lehre hat einen Einstellbereich von sechs bis sieben Millimetern. Beim Messen sowie Prüfen gilt eine Bezugstemperatur von 20 Grad Celsius. Wegen der Maßgenauigkeit sind deshalb an den Lehren Plastikteile angebracht zum Anfassen. Die Lehren sind höhenverstellbar und die Messflächen hartmetallbestückt. Die optionale Messuhr hat analog eine Skalenteilung von 0,001 mm und kommt in Genauigkeitsbereiche von +/-0,5 µm bis +/-6 µm und digital ebenfalls einen Ziffernschrittwert 0,001 mm mit Genauigkeiten von +/-0,03 µm bis +/-6 µm. Dazu gibt es praktische Halter.
Der Taylorsche Grundsatz: Die Gutlehre hat so ausgebildet zu sein, dass Maß und Form des Werkstückes geprüft werden kann bei der Paarung mit einer Lehre.
Zusammenfassung
Mit der Ausschusslehre werden einzelne Maße geprüft, zum Beispiel der Durchmesser.
- Die Gutlehren verkörpern Maß und Form.
- Die Ausschusslehren sind reine Maßlehren.
- Gutlehren zeigen das Höchstmaß bei Wellen.
- Ausschusslehren zeigen das Mindestmaß von Wellen.
Wenn ein Werkstück sich paaren lässt mit der Ausschusslehre, ist es Ausschuss. Auf längeren Zylindern der Gutseite hat man meist Hartmetallleisten zur Verschleißminderung verwendet. Die Ausschussseite kommt mit einem kurzen Prüfzylinder und ist mit dem Grenzabmaß beschriftet. Die Grenzrachenlehren sind zur Prüfung von Durchmessern sowie Dicken von Werkstücken geeignet. Die Gutseite bestimmt das zulässige Höchstmaß. Sie hat durch ihr Eigengewicht über die Prüfstelle zu gleiten. Weil die Ausschussseite um die Toleranz kleiner ist, darf sie nur „anschnäbeln“.
Das Ergebnis der Prüfung beim Lehren ist entweder Gut oder Ausschuss. Weil es bei den festen Lehren keine Messwerte ergibt, werden die Ergebnisse der Prüfung nicht zur Qualitätslenkung eingesetzt. Schwankungen in der Prüfkraft und ein Lehrenverschleiß beeinflussen stark die Prüfergebnisse.
Die Unsicherheit der Prüfung ist beim Lehren desto höher, wenn die Maße kleiner werden sowie die Toleranzen. Die Toleranzgrade kleiner sechs in der ISO-Tabelle (IT6 sind etwa 20 µm) sind mit Lehren nicht einfach prüfbar.